Anekdoten

Jesus vor Pilatus

Die Wunderprozession zu Wiblingen

Eine Sage erzählt, dass um das Jahr 1400 ein Mann namens Mauritius aus "dem Morgenland" um Aufnahme als Mönch in die Wiblinger Klostergemeinschaft gebeten haben soll. Nachdem er sich ein Jahr bewährt hatte, wurde Mauritius Benediktinermönch. Eines Tages bemerkte ein Mitbruder, dass sich der fremde Mönch in seiner Zelle nächtens der Zauberei und den schwarzen Künsten hingab. Aus der folgenden Einkerkerung floh Mauritius auf wundersame Weise, nicht ohne einen Fluch ausgesprochen zu haben. Und wirklich: Ein drei Tage und drei Nächte dauerndes Unwetter verwüstete die Gegend und brachte das Kloster und seine Bewohner in ernste Gefahr. Den unablässig betenden Mönchen erschien nun auf dem Höhepunkt der Flutwelle plötzlich ein Engel mit der Fahne des heiligen Kreuzes. Er führte die Brüder in einer Prozession aus der Kirche, bannte mit drei Schlägen gegen die Wellen das steigende Wasser und rettete Kloster Wiblingen vor dem Verderben. Mauritius wurde ertrunken zwischen Weidenbäumen gefunden.

Kreuzpartikel

Reise des Kardinals Garampi

Der 1761 als inoffizieller Vertreter des Papstes zum Friedenskongress nach Augsburg entsandte Guiseppe Garampi besuchte auf seiner Reise auch Kloster Wiblingen: "(...) Das Kloster Wiblingen ist neu und nicht unelegant gebaut; die Kirche wird in kurzem auch wieder neu errichtet sein. Hier leben gewöhnlich 30 bis 40 Mönche. Sie zeigen ein großes Stück Holz vom heiligen Kreuz, von dem sie behaupten,dass sie es zu Zeiten des Papstes Urban II. erworben hätten, wozu ich übrigens bemerke, dass die authenischen Beweise dafür durch die vielen Brände und das erduldete Ungemach des Klosters nicht erhalten sein können (...)."

Außenansicht des Klosters

Frondienste, Fleischsteuer und Bier

Bis zum Jahr 1701 waren die Klostergründer in Wiblingen, die Herrren von Kirchberg, auch Inhaber der Vogtrechte. Als solche durften sie auch Frondienste verlangen. Im Jahr 1398 wurden diese in einem Vertrag zwischen dem Graf von Kirchberg und dem Kloster für 5 Jahre auf 4 Tage jährlich begrenzt. Gespanndienstpflichtige mussten seit 1468 7 Tage im Jahr Frondienst leisten. Der Abt des Klosters konnte ab 1701 im Zuge der Fleischsteuer jährlich 1 Rind und 1 Hammel bzw. deren Gegenwert von jedem Steuerpflichtigen verlangen. Außerdem war der Wiblinger Wirt verpflichtet, sich das Bier vom Kloster liefern zu lassen.

Verkündigungsaltar

Antiker Geschmack

"Wir fuhren nun längs der Donau in das nahe gelegene österreichische Kloster Wiblingen (...). Der Herr Prälat Roman nahm uns mit vielen und außerordentlichen Ehrenbezeugungen auf, und wir wurden gleich in die herrliche Kirche geführt, mit deren innerer Ausziehung man noch beschäftigt ist (...). Die Kirche ist groß, auf antike Art eingekleidet, die Altäre auch in antikem Geschmack gebaut und mit schönen alabasterartigen Statuen besetzt (...).

P. Johann Nepomuk Hauntinger OSB, Reise durch Schwaben und Bayern im Juli 1784

 

Weitere Informationen zu Wiblingen
 
 
Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook