Der Geistliche und Historiker Giuseppe Garampi (1725-1792) war seit 1751 Präfekt der Archive von Sankt Peter in Rom und ab 1759 zusätzlich auch für die Bestände der Engelsburg zuständig. Papst Clemens XIII. entsandte ihn auf zahlreiche Reisen nach Zentral- und Nordeuropa, die ihn reiche diplomatische Erfahrungen sammeln ließen. 1772 ernannte ihn der Papst zum Nuntius in Warschau, 1776 zum Nuntius in Wien. 1785 wurde Garampi schließlich Kardinal. Er ist Verfasser zahlreicher historischer und numismatischer Schriften.
Im Februar 1762 besuchte Garampi anlässlich einer Visitation der Abtei Salem auch Wiblingen:
„Sie besitzen eine mittelmäßige Bibliothek mit teils alten, teils neuen Ausgaben und bewahren ungefähr fünfhundert Handschriften auf. Die älteste, die wir zu Gesicht bekamen, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie präsentierten uns drei Handschriften des Werkes De Imitatione Christi, mit denen sie behaupten, die verschiedenen Ansichten über den Verfasser der Schrift widerlegen zu können. Ein Codex ist von 1384, der andere von 1410, der dritte von 1433. Aber die Datierungen des ersten und zweiten Codex lassen vermuten, dass Schrift getilgt wurde, weshalb ihre Glaubwürdigkeit nicht über jegliches Urteil erhaben ist. Die dritte Handschrift aber ist gänzlich unverändert, zusammen mit der Datierung 1433. Man vermerkte, dass der Codex in concilio Basileensi geschrieben sei.“
Die De Imitatione Christi (Nachfolge Christi) war eine der am weitesten verbreiteten erbaulichen Schriften des 14. und 15. Jahrhunderts. Noch im 18. Jahrhundert stritt man um die Autorschaft, die mal Johannes Gerson, mal Thomas von Kempen zugesprochen wurde. Heute gilt der Augustiner Chorherr Thomas von Kempen (um 1380-1471) als Verfasser des Textes.