Seit 1763 verfolgte Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728-1793) die Gründung (1765) und Vermehrung einer herzoglichen, öffentlichen Bibliothek. Seit den 1770er Jahren erwarb er selbst, aber auch mittels Agenten und Gesandter überall in Europa ganze Büchersammlungen und bedeutende Einzelstücke, alte Drucke und Handschriften. In den 1780er Jahren unternahm er mehrere Reisen in die oberschwäbischen Klöster, um deren Bibliotheken auf der Suche nach alten Bücherschätzen zu durchforsten. Nicht immer stand man dort den fordernden Besuchen des Herzogs aufgeschlossen gegenüber.
„17. Dezember 1786
Die Unterredung daurte eine Viertelstunde, und von da fuhren Wir in das Benedictiner-Closter Wiblingen, eine Stunde von Ulm, unter Österreichischer Hoheit stehend. Der Empfang war wie gewöhnlich. Gleich sezte man sich zu Tisch, wo die Unterredung meistens allgemeine Gegenstände zum Vorwurff hatte. Nach dem Essen zaigte mann Unß die Bücher-Samlung, die an Manuscripten und alten Drucken nicht unbeträchtlich ist; der Prior des Closters, Amandus Storr, ein Mann der Gelehrsamkeit besizt und dabey ganz gesittet ist, hielte eine kurze Rede von dem Nutzen der alten Drucke. Nach dießem führte mann Unß in die neu erbaute Kirche, welche groß und schön ist, und dorten nahmen Wir Abschied und fuhren nach Ulm zurück. Der Prelat mag ein guter Mann sein, aber ist ohne Talente und Gelehrsamkeit, das Übrige des Closters will ganz nichts bedeuten.“