Johann Ferdinand Gaum

Der Verfasser der 1783 anonym erschienenen Schrift Es leben die Prälaten ist der evangelische Pfarrer und Professor in Blaubeuren Johann Ferdinand Gaum (1738-1814). Gaums Schrift reiht sich in die Streitschriftenliteratur über das Mönchswesen am Ende des 18. Jahrhunderts ein. Noch im Erscheinungsjahr erwiderte Johann Georg Schelhorn d. J., evangelischer Theologe und Bibliothekar in Memmingen, Gaums Schrift mit einer Verteidigung der Klosterbibliothekare.

Johann Ferdinand Gaum, Es leben die Prälaten! 1783, WLB Stuttgart, Kirch. G. 8° 2459

Titelblatt


Wie seine teilweise bissigen Äußerungen von den Wiblinger Patres aufgenommen wurde, ist nicht überliefert. Doch die Eindrücke Gaums lassen heutige Leser eher schmunzeln:

„Es ist eine Benediktiner-Abtey. Sie wissen, so gut evangelisch ich bin, daß ich doch immer gegen diesem Orden eine vorzügliche Neigung habe: und wenn ich katholisch würde, so sollte es nur geschehen, um ein Benediktiner-Mönch werden zu können. Ich hätte auch bey diesem Orden mehr Sicherheit, als bey einem andern. Dieser wird gewiß nicht bälder, als mit der ganzen römischen Kirche fallen, und bis dahin möchte es noch eine Weile anstehen. Ich sezte meinen Fuß mit einer Art von inniger Ehrfurcht in dieses Kloster, da ich eine ganze Stunde lang meine Augen an dem Anblik desselben von aussen geweidet hatte. Nun aber, wenn man hineinkommt – da behaupten die fürstliche Residenzen, deren ich kaum gedacht habe, ihre Vorzüge und Rechte wieder. In der That, das innere und äussere sollten besser zusammen passen. Mehrere Reinlichkeit könnte nichts schaden. Das müßte auch, da es diesen Herren an Leuten, die zu ihren Diensten stehen müssen, nicht fehlt, leicht zu erhalten seyn. Ihre Zimmer, – ich weiß nicht, ob man sie Zellen nennt – halten Sie mir meine Unwissenheit zu gut, sind hoch und geräumig, aber nicht zum besten aufgeraumt. (…) 
Die Bibliothek ist ein vortreflicher Saal, im besten Geschmak erbaut, in dem man beynahe vor den Schönheiten der Baukunst, in Ansehung des angebrachten Marmors, der Bildhauer-Arbeit und der Malereyen, die Hauptsache, nämlich die Bücher, vergißt. Die Sammlung ist ansehnlich, und die Anlage sehr gut. Sie wissen, daß ich immer gern auch, so wenig ich Beruf dazu habe, gelehrt seyn, wenigstens scheinen möchte: und um diese Absicht zu erreichen, habe ich allezeit ein halb duzend Fragen im Vorrath, die ich zur rechten Zeit aus meinem Schubsacke hervorlange, und mir damit ein meisterliches Ansehen zu geben weiß (…)

Vorderer Einbanddeckel

Natürlich war die Zeit viel zu kurz, um alle Bücher nach der Reihe durchzugehen: ich begnügte mich also, hie und da eines hervor zu langen, verwunderte mich aber nicht wenig, als ich wie mit Kreide überzogene Finger davon trug. Diese Patres sind im Binden der Bücher eigene Leute. Der Band soll bey allen schneeweiß seyn. Bey neuen Büchern kann ihnen der Buchbinder allemal zu Willen werden. Aber, wenn sie schon gebundene Bücher kaufen, so schmieren sie solche mit Kalch, oder überfärben sie mit Kreide. Daß sich das besonder gut ausnehmen sollte, möchte ich eben nicht behaupten. (…)

Nicht wahr, bey einem Benediktiner-Kloster wäre das ein Hauptzwek, die Büchersammlung von Jahr zu Jahr mit den nüzlichsten und kostbarsten Werken zu bereichern, sollte es auch nur darum seyn, bey Fremden, die ein so berühmtes Kloster sehen wollen, Ehre von einem solchen gelehrten Schaze zu haben? Das soll aber, wie ich mich unter der Hand habe belehren lassen, eben nicht der Geschmak des Herrn Prälaten seyn; und er soll einigen, die den Ankauf mehrerer Bücher bey ihm in Vorschlag brachten, geantwortet haben: Sie hätten an den vorhandenen genug, und würden in hunderten von diesen noch fremde seyn (…).“

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