Säkularisation

Vor 200 Jahren veränderte die Säkularisation den deutschen Südwesten: Nach den napoleonischen Kriegen gingen Gebäude, Ländereien und Vermögen der Klöster und Bistümer in staatlichen Besitz über. Die Auswirkungen reichen bis zum heutigen Tag - für die meist leer stehenden Gebäude mussten immer wieder neue Nutzungen gefunden werden. Auch das Kloster Wiblingen war von der Aufhebung geistlicher Einrichtungen und der Übernahme kirchlichen Eigentums betroffen.

Federzeichnung von Pater Michael Braig

Das zu Österreich gehörende Wiblingen wurde erst 1805 nach der Niederlage der Habsburger gegen Napoleon säkularisiert. Der „Kampf um Wiblingen“ entbrannte: Zunächst besetzte Baden das Kloster, wurde jedoch kurz darauf von den Bayern vertrieben, die ihre Position gegen die anstürmenden Württemberger verteidigten. Der bayerische König verfügte am 4. August 1806, „... dass die entbehrlichen Kirchenschätze an gediegenem Golde, Silber und Edelsteinen ...“ die Kosten der Verpflegung dieser Truppen decken sollten. Auf Druck aus Paris wurde am 10. September 1806 Wiblingen an die Württemberger abgetreten, die ebenfalls Klostergut nahmen „...um es entweder an den Meistbietenden zu verkaufen oder [...] an einen anderen Bestimmungsort, wie z.B. die mathematischen Instrumente und die Naturaliensammlung, zu übersetzen...“. Teile der Bibliothek und des Archivs gelangten nach Stuttgart.

Herzog Heinrich von Württemberg

Im September 1807 besichtigte König Friedrich von Württemberg das Kloster, der es zum Sitz des Statthalters von Oberschwaben bestimmte. In dieses Amt setzte er seinen Bruder, Prinz Heinrich von Württemberg, ein, der damit für die Sicherung des neuwürttembergischen Landesteils verantwortlich war. Prinz Heinrich bezog am 15. Mai 1808 ein Appartement im Nordtrakt des Klosters, das nun „Schloss Wiblingen“ genannt wurde. Zugleich belegte er die weiteren Räume mit 120 Mann der Reiterei seines Regiments. Des weiteren beherbergte das Areal Behörden, Wohnungen für die Pfarrei und eine Schule.

Wiblingen als Kaserne

Ab 1848 wurde Wiblingen dauerhaft als Infanteriekaserne genutzt und „Schlosskaserne“ genannt. Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts kamen etliche neue Bauten hinzu: Das unvollendet gebliebene Klostergeviert wurde erst durch den Kasernenbau von 1915-17 vervollständigt. Damit wurde auch eine günstige architektonische Lösung im Sinn der Erhaltung des Gesamtbildes der Klosteranlage geschaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Universitätsbibliothek Ulm und ein Altenwohnheim in die alten Klostergebäude ein. Weite Teile dienen heute der Ulmer Universität.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook