Wahrscheinlich brachten Benediktinermönche aus St. Blasien für die Gründung Wiblingens im Jahre 1093 die wichtigsten Handschriften für den liturgischen Gebrauch aus dem Schwarzwald mit. Wann und in welchem Umfang das mittelalterliche Skriptorium eingerichtet war und arbeitete, kann nicht bestimmt werden. Denn wegen eines verheerenden Klosterbrandes im Jahre 1271 sind nur wenige Handschriften des 12. und 13. Jahrhunderts erhalten geblieben, die Rückschlüsse geben könnten. Ob die erhaltenen Codices (Handschriften) aus dieser Zeit in Wiblingen geschrieben wurden, ist unklar.
Im 15. Jahrhundert sind mehr als fünfundzwanzig Schreiber des Skriptoriums namentlich bekannt. Sie arbeiteten im oder für das Kloster. Die von ihnen abgeschriebenen Codices oder selbst verfassten Schriften und ihre Namen überliefert der Wiblinger Archivar und Bibliothekar Pater Meinrad Heuchlinger (1654-1716). Auch durch Schreiberverse sind Namen, Herkunft und Datum der Fertigstellung einer Handschrift bekannt.
Die aufwändige Arbeit in den Skriptorien oblag meist verschiedenen Händen. Die Herstellung und Zubereitung von Pergament, die Bearbeitung der Oberfläche für die Beschriftung und das Erstellen eines Schriftspiegels mit Zeilengerüst wurden arbeitsteilig durchgeführt. Auch das Schreiben und Ausschmücken mit Initialen, Ornamenten und Miniaturen besorgten unterschiedliche Hände. Im Spätmittelalter fertigten vermehrt auswärtige Lohnschreiber und Illuminatoren Handschriften in Auftragsarbeit an.