Im Jahr 1714 begann man mit dem Klosterneubau, der ganz im Zeichen von Gegenreformation und barockem Gestaltungswillen stand. Die auf einem bewegten Grundriss als Einheitsraum errichtete Kirche dominierte alle übrigen Gebäude und bildete auch architektonisch das Zentrum der auf einer Mittelaches aufgebauten Gesamtanlage. Ihre Monumentalität hob die Wiblinger Basilika in der Hierarchie des Klosters hervor, während sich die anderen, geradlinigen Gebäude diesem Mittelpunkt unterordneten.
Der in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Bibliothekssaal von Kloster Wiblingen gehört mit seinen verschwenderischen Dekors und seinem gesteigerten Raumerlebnis zu den bedeutenden Zeugnissen des südwestdeutschen Rokokos. Vielfältige Details entwickeln die dekorativen Mittel des Barock in spielerischer Weise weiter. "Rokoko" ist hergeleitet aus dem französischen Wort "rocaille" (Muschelwerk) und so ist die Muschel als stilbildendes Moment dominierend in den Ornamenten. Auch im Wiblinger Bibliothekssaal schmücken stuckierte Blütengirlanden und Rocaillen die Flächen zwischen den Fresken.
Die Klosterkirche in Wiblingen ist als letztes Bauwerk der barocken Gesamtanlage schon dem Frühklassizismus verpflichtet. Diese Kunstrichtung ahmte, mit einer Tendenz zum Monumentalen, die klaren, strengen Formen der klassischen griechischen Antike nach, auf die sie als Vorbild zurückgriff. Das Ornamentrepertoire der Wiblinger Basilika besteht überwiegend aus antiken Motiven wie Perlstab, Eierstab, Rosetten und Akanthusblättern. Die weiß-goldene Farbgebung der Dekorationen wirkt erhaben.