Luftaufnahme von Kloster Wiblingen mit Garten

Ein Klostergarten als Sinnbild des Paradieses auf Erden

Der Garten

Der Lustgarten von Kloster Wiblingen liegt vor dem Klostertor im Westen des Klosters. Anders als es sein Name vermuten lässt, hat der Lustgarten von Kloster Wiblingen nichts mit einer repräsentativen und reich geschmückten barocken Gartenanlage gemein.

Luftbild des Gartens von Kloster Wiblingen

Die Gartenwege sind als Kreuz angelegt.

Symmetrie als Ordnung

Der Wiblinger Lustgarten ist der älteste erhaltene Garten des Klosters. Wie er zur Zeit der barocken Neugestaltung ausgesehen hat, ist ungewiss. Zeitgenössische Darstellungen des Gartens gibt es nicht. Er wurde wie die gesamte Klosteranlage symmetrisch geplant. Seine Wege sind als großes Kreuz angelegt, am Schnittpunkt des Kreuzes steht heute ein Brunnen. Ein Weg um die rechteckige Anlage lädt zum Lustwandeln ein.

Blick vom Klostergarten aufs Eingangsportal

Obstbäume galten als Sinnbild der Auferstehung.

Der Klostergarten als Abbild des Paradieses

Obstbäume flankieren die Rasenflächen des Lustgartens von Kloster Wiblingen. Sie weisen auf die ursprüngliche Bedeutung eines Klostergartens hin: Er war Abbild des Paradieses – das allerdings auf Erden nur durch die Kirche erreicht werden konnte. Gartenarbeit galt den Mönchen als gottgefällige, nutzbringende Tätigkeit. Sie pflanzten Obstbäume, die mit ihrem Vegetationsrhythmus von der Blüte über die Fruchtreife und Winterruhe bis hin zum erneuten Erblühen als ein Sinnbild der Auferstehung galten.

Entwurf eines Lustgartens in einem Bauplan von 1732

Der Plan wurde wahrscheinlich so nie ausgeführt.

Das Wiblinger Planbuch

Ein für Wiblingen geplanter, aber wahrscheinlich nie ausgeführter barocker Garten ist aus dem Wiblinger Planbuch bekannt. In diesem großformatigen Buch sind 42 Pläne und Risse zusammengestellt, die wahrscheinlich als Anregung und Vorbilder für den Klosterneubau dienten. Der Gartenplan zeigt schematisch den gesamten Klosterkomplex von 1732. Vor drei Seiten des Konventbaus erkennt man einen kunstvoll angelegten, barocken Garten, der ganz auf Repräsentation ausgerichtet war.

Exakt nach französischem Vorbild

Der Gartenplan im Wiblinger Planbuch folgt bis ins Detail den Vorlageblättern aus der 1709 erschienenen Schrift „La Théorie et la Pratique du Jardinage“ eines berühmten Gartentheoretikers, des Franzosen Antoine Joseph Dézallier d`Argenville. In Wiblingen wurde die ehrgeizige Vorlage nie umgesetzt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Lustgarten im Westen der Klosteranlage jemals diesem Gartenplan folgend kunstvoll angelegt war.

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