Reich geschmückter Innenraum der Wiblinger Klosterkirche

Höhepunkt der barocken Kirchenbaukunst in Süddeutschland

Die Klosterkirche

Die Klosterkirche St. Martin besitzt bis heute eine große Bedeutung als Wallfahrtskirche. Der Bau wirkt von außen monumental und streng durch die nie vollendete Fassade. Der helle Kirchenraum mit den grandiosen Deckenfresken steht am Übergang vom Spätbarock zum Frühklassizismus.

Westteil des Innenraums der Klosterkirche

Der Innenraum als wirkungsvolle Einheit.

Gewaltige und klare Raumschöpfung

Im Inneren öffnet sich die Klosterkirche unerwartet weit. Die Abmessungen sind mit 72 Metern Länge und 27 Metern Breite monumental. Der klare und helle Kirchenraum entstand als letzter großer Abschnitt des groß angelegten Bauprojekts. Erster Baumeister war Johann Georg Specht, die Grundsteinlegung erfolgte 1772. Specht griff frühere Baupläne Johann Michael Fischers auf und verschmolz Langhaus, Zentralraum und Chor zu einer Einheit. Er erreichte so eine überwältigende Raumwirkung.

Fresko „Das letzte Abendmahl“, um 1778/80

Die Deckengestaltung sorgt für besonderen Charme.

Hochmodern und hell

1778 übernahm Januarius Zick die Bauleitung und die künstlerische Ausgestaltung des Kirchenraumes. Zick war Hofmaler des Erzbischofs von Trier und ein berühmter Künstler, der für eine hochmoderne frühklassizistische Gestaltung und Deckenfresken in hellen Farben sorgte. Wände und Säulen in Weiß und fast schon strenge Ornamente in Gold machen den Raum licht und weit: ein geradezu erhabener Raumeindruck. Zicks Deckenbilder gehören zu den schönsten Fresken in Süddeutschland am Ende des 18. Jahrhunderts.

Deckenfresko „Kreuzauffindung“ im Mönchschor, Januarius Zick um 1780

Ein Fresko zeigt die Kreuzauffindungslegende.

Glauben, Kreuz und Erlösung

Die Klosterkirche ist mit ihrer einheitlichen Ausstattung einschließlich der Kanzel und den Altären ein eindrucksvolles Raumkunstwerk des frühen Klassizismus. Im räumlichen Zentrum der Kirche und in ihrer Ausstattung steht die wertvollste Reliquie von Kloster Wiblingen: die Kreuzreliquie, ein Stück Holz vom Kreuz Christi. So zeigen die Deckenfresken die biblische Kreuzigungsgeschichte, dazu die Legende von der Auffindung des Kreuzes und schließlich Begebenheiten um die Wiblinger Kreuzreliquie. 

Westliches Hauptportal der Klosterkirche Wiblingen

Von außen wirkt die Kirche wehrhaft und trutzig.

Monumentale Wirkung

Die Klosterkirche ist das Zentrum der gesamten Klosteranlage. Sie beherrscht durch ihre Größe und die Wucht der beiden Turmstümpfe den gesamten Hof. Die fast wehrhafte Front der Kirche lässt nichts von dem festlichen Innenraum erahnen, der sich öffnet, wenn man durch das Kirchenportal tritt. Der Bauplan sah eigentlich zwei mehrgeschossige Türme mit Hauben und einen hohen Giebel über der Eingangsfront vor.

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Besonders eindrucksvoll ist der Besuch der Klosterkirche an Ostern und Weihnachten. Über 200 brennende Lichter schaffen eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.

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