Monumentales Kloster mit prächtigem Bibliothekssaal

Kloster Wiblingen

Vergesslicher Mönch

Das Buch mit dem Zettel

In fast jedem alten Gemäuer erzählt man von ihnen – Geister, die nachts ihr Unwesen treiben. In Kloster Wiblingen soll ein vergesslicher Mönch ruhelos Nacht für Nacht auf der Suche nach einem Buch durch die Gänge irren.

Buchrücken in der Klosterbibliothek Wiblingen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Ortsverband Schussenried Wiblingen

Wo ist der sagenumwobene Zettel versteckt?

Vergesslicher Mönch

Im 18. Jahrhundert nahm ein Pater mit dem Namen Johannes in Kloster Wiblingen einer adeligen Dame die Beichte ab. Der Geistliche, schon älter und vergesslich, notierte sich die Beichte. Den Zettel mit seinen Notizen verwahrte er anschließend sicher in einem Buch. Vergesslich wie Johannes aber nun einmal war, stellte er dieses Buch kurz darauf wieder in eines der Regale der Bibliothek.

Blick in den Bibliothekssaal von Kloster Wiblingen; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Hans Steinhorst

Laut Legende spukt hier ein Geist.

Busse nach dem Tod

Bald darauf starb Pater Johannes. Das Buch mit den anvertrauten Beichtgeheimnissen der Frau hatte er vergessen! Seitdem, so erzählt man sich, muss Pater Johannes jede Nacht in den Bibliothekssaal kommen, um nach dem Buch mit dem Notizzettel zu suchen.

Sorge um Pflichtverletzung

Hinter der Geistergeschichte steckt ein ernstes Thema: Das Beichtgeheimnis bedeutet die absolute Verschwiegenheit des Geistlichen bei allem, was ihm in der Beichte anvertraut wird. Die Verletzung des Beichtgeheimnisses kann hart bestraft werden. Pater Johannes, der das Gehörte notierte und dann die Sache vergaß, wird der Legende nach noch im Tod vom Gewissen geplagt. Daher findet er keine Ruhe und muss Nacht für Nacht auf die Suche gehen – natürlich, ohne jemals das Buch zu finden…