Monumentales Kloster mit prächtigem Bibliothekssaal

Kloster Wiblingen

Das Erbe Gutenbergs

Der Buchdruck

Die Erfindung des Buchdrucks in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts revolutionierte die Herstellung des Buches – und hatte Folgen für die Klöster. Die einstigen Schreibstuben der Mönche verloren ihre Bedeutung. Dagegen blühten die Klosterbibliotheken auf.

Darstellung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Die Druckerpresse veränderte die Buchherstellung.

DIE ERFINDUNG DES BUCHDRUCKS

1450 druckte Johannes Gutenberg erstmals ein Gedicht mit seiner neuen Druckerpresse. Grundgedanke seiner Erfindung war die Zerlegung des Textes in alle Einzelelemente, also in Klein- und Großbuchstaben, Satzzeichen, Buchstabenverbindungen und Abkürzungen, die als seitenverkehrte Lettern in beliebiger Anzahl gegossen und zu Wörtern und Zeilen zusammengefügt werden konnten. Die ersten Druckereien in Südwestdeutschland wurden 1473 in Ulm und Esslingen eröffnet.

Eine gedruckte Bibel; Foto: pixabay_gemeinfrei

Das Buch wurde zur Massenware.

DIE BEDEUTUNG DER DRUCKTECHNIK

Die Ära der handschriftlichen Vervielfältigung von Texten ging mit der Erfindung von Johannes Gutenberg zu Ende. Der Buchdruck revolutionierte den Büchermarkt und die Herstellung von Büchern. Das Pergament wurde durch preiswerteres Papier ersetzt und die technische Neuerung ermöglichte den Druck tausender Buchexemplare. Für den Druck von 180 Bibeln benötigte man nun etwa drei Jahre – ein Zeitraum, in dem zuvor ein Schreiber nur eine einzige Bibel abgeschrieben hatte.

Darstellung eines Skriptoriums, Jean Belot, Holzschnitt nach 1500; Foto: wikipedia_gemeinfrei

Die Schreibstuben der Klöster wurden überflüssig.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN KLOSTERALLTAG

Die gebildeten Mönche in den Schreibstuben hatten ein Monopol auf die Vervielfältigung von Büchern: In den Klöstern saßen die Spezialisten, die Bücher in vielen Schriften kopieren und mit Ornamenten und Initialen illustrieren konnten. Doch mit dem Siegeszug des Buchdrucks ging die Zahl an handgeschriebenen Büchern stark zurück. Der Buchdruck ermöglichte die schnellere Wissensvermittlung an viele Menschen, damit wurde Wissen zum Allgemeingut. Das Buch als Massenware war eine wesentliche Voraussetzung für die Reformation.

Vom Bücherschrank zum Festsaal für Bücher

Die Schreibstuben verloren ihre Bedeutung, doch die Klosterbibliotheken wuchsen: Die Bücher eines Klosters waren zunächst in einem sogenannten Armarium, einem Bücherschrank, in der Nähe der Sakristei untergebracht. Im 15. und 16. Jahrhundert stieg die Zahl der Bücher so stark an, dass die Bücher eigene Räume mit eingebauten Schränken und Lesepulten zum Arbeiten bekamen. In süddeutschen Benediktinerklöstern entwickelte sich ein eigener Bautyp: im Erdgeschoss eine Kapelle, im Obergeschoss eine Bibliothek. In den barocken Klöstern entstanden prächtige Festsäle für Bücher, die auch dem Empfang vornehmer Gäste dienten. 

Links der spätgotische Bibliotheksraum von Hirsau mit den originalen Bücherschränken, rechts die Klosterbibliothek von Wiblingen, die in der Blütezeit des Klosters ca. 15.000 Bücher enthielt.

TIPP

Entdecken Sie unser neues Themenportal „Über Kreuz“. Hier lassen sich spannende Informationen rund um das Thema Reformation und Gegenreformation finden. Zum Beispiel erfährt man, welchen Einfluss die Religion auf das tägliche Leben des „gemeinen Mannes“ hatte. Ein weiteres Highlight sind die Kochrezepte, die einen kulinarischen Einstieg in die Zeit von Martin Luther bieten. 

Über Kreuz

Mehr erfahren

Kunstwerke & Räume
Arbeit & Vergnügen
Wissenschaft & Technik

Bitte wählen Sie maximal 5 Schlagwörter aus.