Luftansicht der Wiblinger Klosterkirche

Die Mönche verlassen Wiblingen

Die Säkularisation

Vor 200 Jahren veränderte die Säkularisation den deutschen Südwesten. Nach den napoleonischen Kriegen ging das Vermögen der Klöster und Bistümer an verschiedene Landesherren über – als Entschädigung für verlorene Gebiete links des Rheins. Auch Kloster Wiblingen war betroffen.

Evangelist Markus, Hochaltarfigur in der Klosterkirche, Johann Georg Schnegg, 1781

Die Kirchenschätze wurden verkauft oder verteilt.

Aufhebung der Klöster

Mehr als 120 Klöster auf dem Territorium des späteren Königreichs Württemberg wurden während der Säkularisation aufgelöst. Das gesamte Vermögen fiel so in die Hände der neuen Landesherren. Dazu gehörten der Grundbesitz und die Gebäude genauso wie das gesamte Inventar: wertvolle kirchliche Kunstschätze, Bibliotheken mit Tausenden von Büchern, aber auch alltägliche Gegenstände. Eine jahrhundertealte Kultur wurde aufgelöst – auch in Kloster Wiblingen.

Tuschzeichnung der Klosteranlage im Zustand von 1805, Michael Braig, 1813

Diese Zeichnung entstand nach der Säkularisation.

Der Streit um Wiblingen

Wiblingen gehörte zu Österreich. Es wurde erst nach der Niederlage der Habsburger gegen Napoleon säkularisiert. Der Streit um Wiblingen entbrannte. Zunächst besetzte Baden das Kloster, wurde jedoch kurz darauf von Bayern vertrieben. Die bayrische Regierung trat Wiblingen auf Druck aus Frankreich 1806 an Württemberg ab. Die neuen württembergischen Herren boten den Mönchen an, Pfarrstellen zu übernehmen oder in Klöster außerhalb des Landes auszuwandern.

Kirchenschätze für den Meistbietenden

Wiblingen war schon fast leer geräumt, als Württemberg das Kloster in Besitz nahm. Das Klostergut und die Kirchenschätze waren bereits unter bayerischer Hoheit verkauft oder verteilt worden. Nur die wertvolle Bibliothek war noch zum großen Teil in Wiblingen. Daher konnten viele der Bücher und auch das Archiv nach Stuttgart gebracht werden: Sie wurden der Hofbibliothek eingegliedert. 

Porträt des Herzogs Heinrich Friedrich Karl von Württemberg

Heinrich von Württemberg residierte in Wiblingen.

Schloss Wiblingen

1807 bestimmte König Friedrich von Württemberg das Kloster zum Sitz des Statthalters von Oberschwaben. Er setzte seinen Bruder, Herzog Heinrich von Württemberg, in das Amt ein. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Sicherung des neuwürttembergischen Landesteiles. Mit dem Einzug Herzog Heinrichs 1808 wurde aus dem Kloster das Schloss Wiblingen. Mit ihm zogen 120 Soldaten, die Reiterei seines Regiments, in das einstige Kloster. Dazu kamen Behörden, eine Wohnung für den Pfarrer und eine Schule.

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