Nicolaus de Lyra diktiert seinem Schreiber, Wiblingen, 1454; Foto: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Prächtige Handschriften

Die Schreibkunst

Seit dem Mittelalter wurden wertvolle Handschriften in den Schreibstuben eines Klosters hergestellt – im Skriptorium des Klosters Wiblingen schrieben und malten talentierte Mönche sowie einbestellte Spezialisten tagtäglich an den Seiten für Handschriften, deren Herstellung sehr aufwändig war.

Graduale aus der Münsterschatzkammer

Ein kostbares Gradual.

Bücher zur geistlichen Erbauung

Wahrscheinlich brachten die Benediktinermönche aus Kloster St. Blasien im Schwarzwald schon bei der Gründung die Bücher mit, die sie für den Gottesdienst brauchten. Üblich war es, dass ein Kloster neben solchen Büchern noch weitere besaß. Bei den Benediktinern war und ist heute noch die „lectio“, das Vorlesen geistlicher Schriften, ein Grundpfeiler des klösterlichen Lebens. Aber auch für das individuelle Studium theologischer Werke war eine Bibliothek notwendig.

Schenkungsurkunde; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Klosterverwaltung

Nur wenige alte Handschriften haben sich erhalten.

Mittelalterliche Schreibstube

Ab wann in Wiblingen ein Skriptorium, also eine Schreibstube, eingerichtet wurde, ist ungewiss. Ein verheerender Brand hat 1271 das Kloster fast vollständig vernichtet und so sind nur wenige Handschriften des 12. und 13. Jahrhunderts erhalten geblieben. Sicher ist, dass ab dem 15. Jahrhundert prächtige Handschriften geschrieben und vermutlich auch gegen Bezahlung illustriert worden sind. Sie gelten als bedeutende Zeugnisse der süddeutschen Buchmalerei dieser Zeit.

Herstellung von Pergament

Äußerst aufwendig: die Herstellung von Pergament.

Aufwändige Arbeit für viele Hände

Das Herstellen von Pergament, das Bearbeiten der Oberfläche zum Beschreiben und das Erstellen eines Schriftspiegels mit Zeilengerüst – alle diese vorbereitenden Arbeitsschritte wurden unter mehreren Mönchen aufgeteilt. Auch das anschließende Schreiben und Ausschmücken mit Initialen, Ornamenten und Miniaturen besorgten verschiedene Schreiber und Maler. Erst im Spätmittelalter beauftragte das Kloster immer häufiger Handschriften bei spezialisierten Werkstätten außerhalb des Klosters.

Schreibender Mönch; Foto: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Der Buchdruck beendete die mühevolle Arbeit.

Der Buchdruck verändert das Klosterleben

Die aufwändig gestalteten Bücher gehörten zur täglichen Arbeit der Mönche. Durch die von Johannes Gutenberg im Jahr 1450 erfundene Technologie des Buchdrucks wurden Bücher als Massenmedium weniger wertvoll. Das Geschäft mit den ausgeschmückten Büchern lohnte sich ab diesem Zeitpunkt immer weniger. Die arbeitsintensive Handarbeit wurde daraufhin nach und nach eingestellt, sodass die klösterlichen Schreibstuben überflüssig wurden.

Der Bibliothekssaal in Kloster Wiblingen; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Hans Steinhorst

Der Bibliothekssaal zeigt heute noch die große Bedeutung der Bücher für Kloster Wiblingen.

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Der Bibliothekssaal

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