Porträt des Herzogs Heinrich Friedrich Karl von Württemberg

Der Bruder des Königs

Heinrich Friedrich Karl von Württemberg

Vor gut 200 Jahren bezog Herzog Heinrich Friedrich Karl von Württemberg (1772–1838) mit seiner Familie Kloster Wiblingen: Ab sofort musste es jeder „Schloss“ nennen. Der vielseitig interessierte Herzog war in Wiblingen bald beliebt – bei seinem königlichen Bruder dagegen gar nicht.

Außenansicht des Nordflügels von Kloster Wiblingen

Im Nordflügel bezog der Königsbruder eine Wohnung.

Warum Kloster Wiblingen?

In den Jahren 1808 bis 1822 diente das säkularisierte Kloster als herzogliche Residenz. König Friedrich von Württemberg hatte seinem jüngsten Bruder Heinrich das Amt des Statthalters von Oberschwaben übertragen. Sein Wohnsitz sollte Wiblingen sein. Er bezog mit seiner Familie das erste Obergeschoss im Nordflügel, in dem eine repräsentative Wohnung eingerichtet worden war. Gleichzeitig kam eine Militärbesatzung nach Wiblingen, der Heinrich im Rang eines Generalleutnants der Kavallerie vorstand.

Eine nicht standesgemässe Liebesheirat – na und?

Herzog Heinrich hatte 1798 die Schauspielerin und Sängerin Christine Caroline Alexei geheiratet. Die Verbindung war ohne Genehmigung des Königs zustande gekommen. Seine Frau war nicht nur bürgerlichen Standes, Schauspielerei galt sogar als unehrenhaftes Gewerbe. Heinrich musste daher für sich und alle Nachkommen auf die Thronfolge in Württemberg verzichten. Im Gegenzug für den Verzicht erhielt seine Frau den Titel einer Freifrau von Rottenburg, 1825 wurde sie sogar zur Gräfin von Urach ernannt.

Hirsch mit zwölfendigem Geweih

Leidenschaft des Herzogs: alles rund um die Jagd.

Militär, Familie – und was noch?

Heinrichs größte Leidenschaft galt der Jagd. In der Gegend um Ulm besaß er ein Jagdrevier, er sammelte Geweihe, Jagd- und Forstkalender und Kupferstiche mit Jagdmotiven. Darüber hinaus befasste sich der Herzog auch mit den wissenschaftlichen Aspekten der Jagd und schrieb zahlreiche Artikel in verschiedenen Forstzeitschriften. Er entwickelte sogar eine Schlagflinte, die mit ihrer verbesserten Gewehrtechnik 1824 in einer Zeitschrift vorgestellt wurde.

Wie war sein Verhältnis zum König?

Von Beginn an beteiligte sich der Herzog rege am bürgerlichen Leben in Ulm. 1808 trat er sogar in die Freimaurerloge ein. Dem König war dies ein besonderer Dorn im Auge, übten doch die Freimaurer offene Kritik an seiner harten Politik. Heinrich zerstritt sich mit seinem Bruder im Laufe seines Lebens immer mehr und wurde schließlich vom Hof und von der Gegenwart des Königs ausgeschlossen. In Ulm, wo er bis zu seinem Tod lebte, genoss er dagegen hohes Ansehen.

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